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  5 Reisen gleichzeitig!

Geplant vom 6. bis 18.April, tatsächlich, auf Grund der Aschewolke über Europa, bis 22.April.

Israel und Palästina mit den Heiligen Stätten standen auf dem Programm. Die Besuche und die besondere Verbindung nach Beit Jala, einem Ort im Süden Jerusalems, allerdings hinter der Mauer im Flickenteppich von Palästina gelegen, geht auf das Jahr 2000 zurück. Damals wollten Hans Mader und seine Frau Renate für die Kirche St. Georg auf dem Berge eine echte Olivenholzkrippe aus Bethlehem erwerben. Über den Kontakt mit Pfarrer Shihadeh, der in Deutschland studiert hat und mit einer Deutschen verheiratet ist, erfuhr er von dem im Bau befindliche Friedensprojekt der Evangelischen Gemeinde von Beit Jala: ‘Abrahams Herberge’. Nebenbei erwarb er dann auch die Krippenfiguren, blieb aber weiter in Verbindung und wurde zusammen mit einer Delegation der Nordelbischen Kirche 2003 zur Eröffnung des Komplexes eingeladen. Abrahams Herberge ist Kirche, Kinderheim und Gästehaus für bis zu 50 Personen, es soll Frieden und Versöhnung fördern. Jungen zwischen 6 und 16 Jahren, 1/3 Muslime, 2/3 Christen leben im Kinderheim, das Gästehaus mit 4-Sterne –Standard bringt Arbeitsplätze am Ort und Geld in die Kasse. Allerdings sitzen die Betreiber zwischen allen Stühlen: für die Israelis sind sie böse Palästinenser, für die Palästinenser böse Ungläubige - in diesem Mikrokosmos zeigt sich die ganze Verworrenheit des schier unlösbaren Konfliktes der Region.

Tatkräftig beschloss Ehepaar Mader: ‘Hier können wir am besten Unterstützung leisten, wenn wir mit Menschen hinfahren. So schnell wird man zum Reiseveranstalter!’ Die erste Gruppe mit 19 Personen fand sich 2004 zusammen, das nächste Mal 26, dann 35 und dieses Mal 42 neugierige Menschen aus Ratzeburg und Umgebung auf dem Weg ins Heilige Land. Die Reisen werden 1 Jahr lang vorbereitet, dazu gehört eine regelmäßige Teilnahme aller Mitfahrer an einem Abend im Monat: Vorträge, Hintergrundwissen, Verhaltensregeln, geistliche Einstimmung – nur dann kann man wirklich aufnehmen, was für die meisten der zentrale Bestandteil der Reise ist: der Besuch der heiligen Stätten, die Gottesdienste an biblisch verbürgten Orten. Der Besuch im Heiligen Land ist das 5.Evangelium- man kommt dem Glauben sehr nahe.
5 Aspekte dieser einen Reise machen die Tage zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die ‘Pilgerreise’ führt zuerst an den See Genezareth, dann nach Jerusalem. Mitten in der Altstadt direkt neben Klagemauer und Grabeskirche liegt das Lutherische Gästehaus des deutschen Propstes. Die Stadt wird erkundet, mit der Via Dolorosa, dem Ölberg und dem Tempelberg. In der deutschen Erlöserkirche nimmt die Gruppe am Gottesdienst teil.
Selbstgestaltete Gottesdienste werden gefeiert: am Ufer des Sees Genezareth mit Kreuz und Altar, hier hat der auferstandene Jesus mit seinen Jüngern Fisch gegessen und Brot vermehrt. In der Kirche von Beit Jala ein Friedensgebet mit Olivenbaumblättern und Friedenswünschen. Im israelischen Hotel am Toten Meer zum Abschluss wird in einem Nebenraum ein Altar gebaut mit Palmzweigen und zusammengetragenen Steinen – jeder formuliert, was ihm wichtig ist. Bewegende Momente, wo die Gruppe miteinander verschmilzt und die keiner der Teilnehmer zwischen 15 und 77 Jahren in seinem Leben vergessen wird.

Die ‘Begegnungsreise’ erschließt den Zugang zu Land und Leuten. Der Austausch ist gegenseitig. Viele Bekannte, die im Laufe der Jahre zu Freunden wurden, sind schon in Deutschland zu Gast gewesen. Diesmal wurde in Beit Jala ein ‘Freundschaftslauf’ bis zur hässlichen, ganz Jerusalem umgebenden Mauer, durchgeführt. Der Empfang in der Evangelischen Gemeinde und im Gästehaus von Abrahams Herberge ist herzlich, fast familiär. Anders in Israel. Viele in den letzten Jahren aus Russland eingewanderte Juden bilden eigene Stadtviertel, in denen russisch gesprochen wird und gar nicht bekannt ist, dass auf dem Gebiet der Palästinenser gesiedelt wurde. Die Israelis sind zurückhaltend, die Obrigkeit schroff bis zur Schikane.

Die ‘Bildungsreise’ versucht aufzuklären über die politische, religiöse, staatliche und machtvolle aber bedrückende Gemengelage. Kompetente Gesprächpartner auf beiden Seiten führen in die Themenfelder ein. Natürlich wird die Gedenkstätte Yad Vashem aufgesucht, der Shoa- Gedenktag zusammen mit den Juden begangen. Die Stimmung im Jahr 2010 ist depressiv – kein Hoffnungsschimmer auf Frieden auf beiden Seiten.

Die ‘Touristenreise’ führt an die landschaftlich schönen Stellen und kulturhistorisch interessanten Orte: See Genezareth, Totes Meer, Mittelmeer, Berge, Wüsten, blühende Landschaften.

Die ‘politische Reise’ lässt sich nicht vermeiden- auf Schritt und Tritt begegnet sie dem Pilger. In Palästina leben seit Generationen Menschen mit UN-Flüchtlingsstatus, der ihnen ein Einkommen, Schulen und Krankenhäuser garantiert. Das führt zu merkwürdigen Auswüchsen: mitten in einem Stadtviertel ein Flüchtlingslager, kein Zaun, kein Zelt, sondern weiterhin ganz normale Häuser. Es gibt mehrere gute ev. Schulen – aber was kommt dann. Bei der enorm hohen Arbeitslosigkeit, keine Möglichkeiten nach Israel herein zu kommen, der Ausweg: Studium. In Bethlehem an der Universität sind 90% der Studierenden Mädchen. Nicht etwa, weil die Mädchen schlauer sind, sondern die jungen Männer nach Europa oder in die USA gehen zum Studium und später, um die Großfamilie zu unterstützen. Die Mädchen gehören zur Großfamilie und dürfen nicht ins Ausland. Unverständlich: hier führt gute Bildung nicht zu einem guten Leben, sondern endet oft ungenutzt in einem Flüchtlingslager, in Hoffnungslosigkeit und schlägt manchmal in Fanatismus und Hass um. Die Großfamilie gibt Sicherheit, sie ist Versorgungsgrundlage wo kein Staatswesen unserer Prägung existiert. Hamas, Fatah und andere Splittergruppen ringen um Macht, Einfluss, Geld.

Auf der anderen Seite der Staat Israel. Umgeben von feindlichen Nachbarn, zerschunden und verletzt durch dauernde Anschläge, die Bürger traumatisiert durch Gefallene in jeder Familie. Das ganz große Thema für jeden einzelnen: Sicherheit. 90% aller Israelis sind aus diesem Grund für die Mauer. Auf beiden Seiten wünschen sich die Menschen nichts sehnlicher als Frieden- aber die Regierungen sind zu schwach, in unsäglichen Allianzen und Koalitionen gefangen. ‘Mit jeder Reise und mehr Wissen begreife ich den verworrenen Konflikt immer weniger’ sagt Hans Mader, ‘trotzdem wünsche ich den Menschen Frieden, Ruhe und eine sichere Zukunft’

Ein Nachtreffen der Gruppe findet im Juni statt und reflektiert die Eindrücke, neuen Erkenntnisse und Glaubensfragen.

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